Trainer des Monats November: Jochen Drees
Wenn man heute Jochen Drees in der Stolberger Schwimmhalle begegnet, sieht man dem sportlichen 48-Jährigen kaum an, wie viel Geschichte, wie viel Erfahrung und wie viele Erlebnisse sich hinter den stets schelmisch blitzenden Augen verbergen.
Wagen wir also einen kleinen Rückblick in die Vergangenheit, um zu erfahren, wie sich der heutige Trainer der Wasserballherrenmannschaft entwickelt hat:
Jochens Karriere beginnt 1970 mit dem Eintritt in den Stolberger Schwimmverein, der damals bereits seit 60 Jahren besteht. Er erlebt im Jahr 1974 den Einzug in eine neue Ära, die sich durch die Eröffnung eines neuen Hallenbads sowie den Aufbau einer konkurrenzfähigen Stolberger Schwimmmannschaft, natürlich Jochen inbegriffen, auszeichnet. Vier Jahre später, im Jahre 1978, gelingt den Schwimmern sogar der Aufstieg in die Landesliga. Die folgenden Jahre sind aber nicht nur von Jochens schwimmerischen Leistungen gekrönt, darunter viele Edelmetalle auf nationalen und internationalen Wettkämpfen, nein, er tritt zusätzlich noch der Stolberger Wasserballmannschaft bei (1978).
Außerdem engagiert er sich mehr als 10 Jahre lang als Jugendwart des Vereins, was ihm auch einen Sitz im Vorstand einbringt, wo er bis heute vertreten ist. Nunmehr in der Funktion des Wasserballwartes ist Jochen mittlerweile eine feste Institution in den Reihen des Vorstandes geworden, wo seine Meinung und seine Diplomatie bei strittigen Fragen hochgeschätzt sind.
Bereits am 20.09.1980 wird Jochen für seine Verdienste um den Verein mit der Ehrennadel in Silber ausgezeichnet. Mitte der 80er Jahre erwirbt Jochen den Trainerschein und wird schon bald darauf Wasserballwart und Schiedsrichter. Nachdem man in den 80er Jahren eine Wasserballflaute überwunden hatte, entwickelt sich das Team mit Jochen ein Jahrzehnt später zur besten Wasserballmannschaft im Bezirk. Jochen erlebt mit der Mannschaft zwei Mal den Aufstieg in die Verbandsliga und feiert weit über ein Dutzend Gewinne des Bezirkspokals. Langjährige Mitspieler wie Lothar Kirschfink beschreiben Jochen als einen „gefürchteten Linkshänder im Center“ und Theo König, ehemaliger Wasserballwart in Stolberg und heute Trainer in Düren, bezeichnet Jochen als einen „sehr guten und fähigen Trainer, der den Jugendlichen noch etwas beibringen kann“. Was Jochen neben seinem Wasserballverständnis noch auszeichnet, ist seine makellose Fairness anderen Spielern und Mannschaften gegenüber sowie sein Teamgeist und sein Optimismus, der selbst bei Spielen gegen überlegenen Gegner den Mitspielern neuen Mut, neue Kraft und neue Motivation gibt. „Jungs, jetzt sind wir wieder dran!“ ist somit wohl ein Zitat, das keinem der Stolberger Wasserballer, die von Jochen geprägt wurden, unbekannt geblieben ist.
Außerhalb der Wasserballsaisons nimmt der heute 48-Jährige immer wieder gerne an Wasserballturnieren im In- und Ausland teil. So leicht kann den langjährigen Herrentrainer nichts erschüttern und selbst als ihm auf dem Weg zu einem Turnier in Tschechien einmal sein Gepäck samt kompletter Wasserballausrüstung abhanden kommt, nimmt er die unglücklichen Umstände völlig gelassen hin. Wie man es von Jochen kennt, bleibt er die Ruhe selbst, leiht sich von seinen Mannschaftskollegen alle notwendigen Dinge und spielt ohne großes Aufsehen darum zu machen das Turnier mit ungetrübt guter Laune.
Auch in seinem Privatleben ist Jochen eine Sportskanone. Der am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen unterrichtende Mathe- und Sportlehrer läuft nicht nur gerne, wie seine Teilnahme an zwei Marathons beweist, er nutzt seine Ferien auch gern zum Ski fahren und lässt bei Schulturnieren oder Wasserballveranstaltungen niemals eine Gelegenheit aus, seinen Sportsgeist unter Beweis zu stellen. Sei es im Wasserball, Fußball, Volleyball oder wo auch immer, Jochen bringt vollen Einsatz und zeichnet sich stets durch seine jugendliche Begeisterungsfähigkeit aus.
Am 07.09.2007 folgt dann ein weiteres Highlight in Jochens Leben: Nach der standesamtlichen Hochzeit am 06.10.06 heiratet Jochen jetzt auch kirchlich seine langjährige Lebensgefährtin Birgit Morjan, die eine erwachsene Tochter, Clara, mit in die Ehe bringt. Clara Drees wird von Jochen längst als Tochter akzeptiert und trägt stolz seinen Namen. Die frühere Schwimmerin wird mittlerweile in Stolberg und Aachen als Wasserball-Torfrau geschätzt und Jochen ist erfreut, dass sie sich ebenfalls für seinen Sport begeistern kann.
Heute ist Jochen Spieler der 1. und 2. Herrenmannschaft in Stolberg, außerdem bildet er kommende Talente beim Jugendtraining aus und kümmert sich auch sonst intensiv um die Nachwuchsarbeit. Im Jahr 2006 erlebt Jochen den zweiten Umbau der Stolberger Schwimmhalle, der die Saisonvorbereitungen immens stört. Trotzdem bleibt das Team nach der Schließung erfolgreich und seit Mai 2007 kann Jochen in Stolberg seine Jungens wieder trainieren. Für die kommende Saison hat Jochen sogar durchgesetzt, dass Stolberg eine dritte Mannschaft im Bezirk melden darf, um den Jugendlichen weitere Einsatzchancen und einen Zugewinn an Spielerfahrung zu ermöglichen.
Bei den „Jungens“, ob Jugend oder Herren, ist Jochen beliebt und wird als sympathischer, herzensguter und geselliger Typ anerkannt. Auch heute noch wird auf seine Ratschläge über Spielzüge und Taktiken hoher Wert gelegt, und auch scharfe Kritik während der Spiele nehmen sich die Spieler zu Herzen.
Die Organisation des alljährlichen Stolberger Wasserballturniers und die Leitung der Veranstaltung ruhen ebenfalls auf Jochens Schultern und werden von den teilnehmenden Mannschaften, die aus ganz Deutschland anreisen, fortwährend gewürdigt. Auch in diesem Jahr war das erst kürzlich stattfindende Turnier mit sechs teilnehmenden Herren- und erstmals vier teilnehmenden Damenmannschaften zu Jochens großer Zufriedenheit wieder ein voller Erfolg.
Was gibt es also, was unser Trainer noch nicht erreicht hat oder noch erreichen will? Jochen ist trotz seiner Erfolge immer bescheiden geblieben und hat karrieremäßig nur noch den Wunsch, noch einmal eine Saison lang in der Verbandsliga zu spielen.
Was können wir tun, um Jochens Erfolge zu würdigen? Auf jeden Fall einmal „danke“ sagen, „danke“ Jochen, für das, was du für den Verein getan hast und was du immer noch tust. Und wenn man in der Schwimmhalle demnächst einem Wasserballtrainer die Hand schüttelt, der zufällig Linkshänder ist, dann sollte man sich ganz genau im Klaren darüber sein, was für einer Persönlichkeit man dort gegenüber steht. (© Mark Braun)

